Etwas mehr als ein Jahr ist die neue Chefin der Ersparniskasse, Ruth Mojentale, im Amt. Doch nun nehmen trotz eines guten Geschäftsergebnisses mehrere Angestellte den Hut. Was ist da los?
Von Lucas Blumer

Anfang Jahr hatte die Schaffhauser Ersparniskasse nur gute Nachrichten zu vermelden: Erstmals verwaltete die Regionalbank eine Bilanzsumme von über einer Milliarde Franken. Und trotz der sinkenden Leitzinsen schaffte es die Bank, dass ihr Geschäftserfolg um weniger als 0,1 Prozent sank.
Doch nun scheint es hinter den Kulissen drunter und drüber zu gehen. Das Finanzmedium «Inside Paradeplatz» publizierte unlängst einen Artikel, in dem unter Berufung auf anonyme Quellen behauptet wird, dass reihenweise Mitarbeitende die Bank verlassen. Das Newsportal zitierte in diesem Zusammenhang einen anonymen Mitarbeitenden: «Jeder, der kann, rennt davon.»
Den «Schaffhauser Nachrichten» war es nicht möglich, mit denselben Quellen zu sprechen, die auch gegenüber «Inside Paradeplatz» Aussagen trafen. Dieser Redaktion ist jedoch bekannt, dass es tatsächlich Verunsicherungen unter den Mitarbeitenden gibt.
Die neue Chefin im Fokus
Im Auge des Sturms sitzt gemäss «Inside Paradeplatz» die neue CEO der Ersparniskasse: Ruth Mojentale. Sie übernahm das Amt im Juli 2024, nachdem ihr Vorgänger Beat Stöckli im Januar 2024 überraschend von seinem Posten zurückgetreten war. Mojentale war im Vorfeld lange bei der Credit Suisse tätig, sass anschliessend zwei Jahre in der Geschäftsleitung der Basellandschaftlichen Kantonalbank und war dann kurz freischaffende Beraterin, ehe sie bei der Ersparniskasse in Schaffhausen landete.
Massgeblich dafür verantwortlich, dass Mojentale ihre neue Stelle in Schaffhausen antrat, war Ständerat Hannes Germann (SVP), seines Zeichens Verwaltungsratspräsident bei der Ersparniskasse. Gegenüber den «Schaffhauser Nachrichten» nannte Germann Mojentale eine «äusserst versierte Kennerin des Bankgeschäfts», die «über einen beeindruckenden Leistungsausweis verfügt».
Gemeinsames Statement
Auf Anfrage der «Schaffhauser Nachrichten» nehmen Mojentale und Germann in einem gemeinsamen Schreiben Stellung zu den im Artikel erhobenen Vorwürfen. «Die Art der Berichterstattung haben wir mit Erstaunen zur Kenntnis genommen», beginnt die Stellungnahme. Im weiteren Verlauf räumen Mojentale und Germann aber auch ein, dass aktuell eine gewisse Verunsicherung unter den Mitarbeitenden zu spüren sei. Sie schreiben dies der neuen «Strategie 2025–2030» zu, die der Verwaltungsrat im November 2024 beschlossen hat. Die Strategie umfasst eine stärkere Fokussierung auf die Privat- und Geschäftskunden sowie eine Stärkung des Anlagegeschäfts. Zudem wurde die Geschäftsleitung neu zusammengestellt.
«Im Zuge solcher Veränderungen kann es zu personellen Veränderungen kommen – das ist in Phasen der Neuausrichtung nicht ungewöhnlich», schreiben Mojentale und Germann. Nichtsdestotrotz sei die Ersparniskasse Schaffhausen weiterhin auf einem guten Weg und «bestens kapitalisiert». Dies werde sich auch im bald veröffentlichten Halbjahresergebnis zeigen, schliessen Mojentale und Germann.