SCHAFFHAUSEN. Es ist noch nicht lange her, dass der Zollhammer aus Washington zunächst auf die Schweiz hinabzusausen schien – und dann abgefedert werden konnte. Besonders die beiden Schaffhauser Uhrenmanufakturen IWC und Moser konnten sich ob der Senkung der Zusatzzölle einige Schweissperlen von der Stirn wischen. Dabei scheinen die Handelsbeziehungen mit den USA weiterhin alles andere als berechenbar zu sein – zumal der amerikanische Supreme Court die von Trump verhängten Zölle am Freitag als illegal bezeichnete. Um die Beziehungen zu pflegen und den Zugang zum grössten Exportmarkt der Schweiz zu sichern, macht eine Delegation der Bundesversammlung einen Sprung über den Grossen Teich und geht kommende Woche für fünf Tage auf Tuchfühlung mit den Amerikanern. Teil der EFTA/EU-Delegation ist mit Hannes Germann auch ein Schaffhauser Politiker. Der SVP-Ständerat reist zusammen mit Ständerat Damian Müller (FDP, Luzern), Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (Die Mitte, Basel-Landschaft), Nationalrätin Christine Badertscher (Grüne, Bern) sowie Ständerat Carlo Sommaruga (SP, Genf).
Für Germann ist es die erste politische Mission in den USA. Eine für ihn sehr wichtige: «Das Wachstum findet heute vor allem in den USA und in Asien statt.» Massiv auf Wachstumskurs seien auch US-Unternehmen im Kanton Schaffhausen, darunter der hier grösste private Arbeitgeber Cilag, der zum Pharmariesen Johnson & Johnson gehört. Gesellschaften mit US-Bezug bezahlten im Kanton zuletzt rund 15 Prozent an die gesamten Steuereinnahmen (natürliche und juristische Personen).
Dichtes Programm
Auf der Reiseliste von Germann und seinen Begleitern stehen neben der Hauptstadt Washington, D. C., auch Chicago und Indianapolis. In Washington wird sich Germann mit Politikern aus dem Senat und dem Kongress unterhalten. «Vielleicht werden wir uns auch mit Trump treffen. Ich würde dem Präsidenten meine IWC anbieten», scherzt Germann und lacht. Zuvor hatte Trump eine goldene Rolex bekommen – wohl auch, um ihn im Zusammenhang mit den Strafzöllen milde zu stimmen. «Wir wollen zeigen, dass sich eine Zusammenarbeit mit uns lohnt», so Germann. Zudem sei es für die Schweiz entscheidend, die Handelsbeziehungen vertraglich abzusichern. Dafür eine Grundlage zu schaffen, sei Teil der Mission.
Man wolle den Amerikanern auch das hiesige Berufsbildungssystem näherbringen. «Das ist ein riesiger Trumpf und verhilft uns zu viel Sympathie», gerade angesichts der zunehmenden Akademisierung in den USA, so Germann. Im Bundesstaat Indiana stehe ein Austausch mit der dortigen Pharmaindustrie an. In Chicago schliesslich werde man sich mit Vertretern von Schweizer Unternehmen austauschen. Germann gibt an, in den USA über keine politischen Kontakte zu verfügen, erachtet das aber auch nicht als Nachteil. «Das macht einen umso freier», sagt er vor dem Flug. (tbo)