Meinungen

Hannes Germann tritt bei den Ständeratswahlen 2027 nicht mehr an und bestimmt damit das Ende seiner eindrücklichen und langen Politkarriere selbst. Bei den Menschen im Kanton genoss Germann seit über zwei Jahrzehnten grosses Vertrauen – und wurde jeweils bravourös wiedergewählt. Das hatte viel damit zu tun, dass Germann auch nach 24 Jahren in Bern ein bescheidener und nahbarer Politiker geblieben ist, der nicht von oben herab oder mit dogmatischer Härte argumentiert hat. Mit dem Verzicht erspart Germann sich und der Schaffhauser SVP eine grosse interne Konfrontation. Und an solchen besteht bei der Volkspartei jüngst kein Mangel.
Der Zwist zwischen der Stadtpartei und dem Kantonalvorstand sorgte für viel Aufsehen, der Haussegen hängt weiterhin ein klein wenig schief. Und dass das Verhältnis zwischen Nationalrat Thomas Hurter und Hannes Germann nicht unbelastet war, ist ein offenes Geheimnis und dürfte die Entwicklung hin zur jetzigen Ausgangslage mitbeeinflusst haben. Trotzdem gelingt es der Partei auf der Zielgeraden, den Flurschaden einer Kampfnomination – Stand heute – zu verhindern.
Neuer Angriff auf den Ständerat eher unwahrscheinlich
Was passiert jetzt im Herbst 2027? Mit Andreas Gnädinger steht ein Kandidat für die Germann-Nachfolge bereit, der auf Zuspruch aus der Partei bauen kann. Der 50-Jährige darf – nachdem er wahrlich genügend Zeit hatte, Erfahrungen auf verschiedenen Staatsebenen zu sammeln – als gesetzt gelten. Unterstützung aus dem bürgerlichen Lager ist so gut wie sicher, sodass die Wahlchancen für das Duo Brüngger/Gnädinger gut stehen.
Beim Nationalrat scheint die Ausgangslage ebenso klar: Thomas Hurter tritt erneut an und hat die besten Aussichten auf eine Wiederwahl. Auch Linda De Ventura hat ihre Kandidatur angekündigt. Aber welche Personen werden mit den Bisherigen antreten? Wichtig ist das, weil diese Personen bei einem Rücktritt des Amtsinhabers automatisch nach Bern nachrücken. Vorexerziert hat es die SP: Hans-Jürg Fehr trat 2013 vorzeitig zurück, Martina Munz rückte nach. Munz machte es ebenso: Rücktritt 2024 während der Legislatur, Linda De Ventura übernahm.
Wen also sieht die SP als Zukunftshoffnung? Mehrfach Interesse bekundet hat Kantonsrat Patrick Portmann, Kantonsrätin Isabelle Lüthi hat 2015 kandidiert, nicht zu vergessen sind Parteichefin Romina Loliva oder SP-Wortführer Matthias Frick. Aber: De Ventura muss als Spitzenkandidatin die Wiederwahl zuerst noch schaffen. Schon für Martina Munz wurde es knapp: 2015 erhielt SVP-Haudegen Pentti Aellig auf der zweiten Linie nur gerade 348 Stimmen weniger als Munz. Als Gnädinger 2023 mit Hurter antrat, betrug der Abstand gerade noch hauchdünne 33 Stimmen. Sprich: Eine SVP-Doppelvertretung im Nationalrat ist nicht ausgeschlossen.
Alle Blicke sind auf die SVP gerichtet
Deshalb richten sich die Blicke gespannt auf die zweite Linie der SVP: Wer kandidiert mit dem heute 62-jährigen Thomas Hurter und hat so eine Chance auf den zweiten Sitz oder den attraktiven Nachrückplatz? Kantonsrat Michael Mundt war schon 2019 der zweite Mann, 2011 war es Dino Tamagni, der heute als Regierungsrat fest im Sattel sitzt. Wahrscheinlicher ist eine andere Version: Parteipräsidentin Andrea Müller, welche die Kantonalpartei durch den Preisig-Zwist geschleppt hat. Dass sie dabei klar Partei für die Seite des Vorstands ergriffen hat, dürfte ihr höchstens bei der vertäubten Stadtpartei Nachteile bringen. Demgegenüber steht der Vorteil, dass die SVP bei der weiblichen Wählerschaft punkten könnte.
Fazit: Mit dem Rücktritt Germanns werden die Karten in der Schaffhauser Politik neu gemischt und der Generationenwechsel geht – nach De Ventura und Brüngger – weiter. Im Herbst 2027 geht es um die Frage, ob die SVP noch einen Sitz dazugewinnt und wer die Schaffhauser Politik in den kommenden Jahren prägen und gestalten wird. Einfach gesagt: Es geht um viel mehr als eine simple Bestätigungswahl.